Interview mit Katrin Hirschberg-Sonnenmann

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Interview mit Katrin Hirschberg-Sonnenmann

Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann stellt sich vor: Mit einem Einführungs-Gottesdienst am 1. Advent, den 29. November 2026, beginnt sie ihren Dienst in den Gemeinden des Kooperationsraums 3

„Mama an der Orgel, Papa auf der Kanzel!“

Mit dieser einprägsamen Erinnerung beschreibt Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann das Fundament, auf dem ihr Lebensweg aufgebaut ist. Das Zusammenspiel von Kirchenmusik und Verkündigung begleitete die zurzeit noch in Selm lebende Mutter von vier Kindern seit frühester Kindheit. Gegen Ende des Jahres nimmt die erfahrene Seelsorgerin ihren Dienst im Kooperationsraum 3 auf: mit viel Herzblut für Menschen, klarem Blick für zeitgemäße Seelsorge und Freude am gemeinsamen Gestalten.

Geprägt von Kirche, Musik und gesellschaftlicher Verantwortung

Geboren 1969 in Recklinghausen, verbrachte Katrin Hirschberg-Sonnemann ihre Kindheit in Herten-Disteln und Haltern am See. Ihr Vater Rolf Sonnemann, der spätere Superintendent des Kirchenkreises Recklinghausen, war dabei einer der prägenden Menschen. Er war ein durchaus politischer Pfarrer, dem das friedliche und soziale Miteinander ein Herzensanliegen war. Er förderte nicht nur die Gründung des Instituts für Kirchliche Zeitgeschichte in Recklinghausen (1990), sondern setzte sich auch stark in der Friedensbewegung und der Ökumene ein. Ihre Mutter wirkte u.a. als Organistin und Chorleiterin ebenfalls in der Gemeinde und war zudem Lehrerin an einer Haltener Musikschule. Musik und Theologie gingen in der Familie also Hand in Hand.

„Dieses Umfeld in der Kindheit hat mich sehr geprägt“, erzählt Hirschberg-Sonnemann. Ein Einfluss, der auch generationsübergreifend zurückreicht: Schon ihr Großvater war Pfarrer in Wanne, und beide Elternteile stammten aus Wanne-Eickel.

Erfahrungen aus vielfältigen Stationen

Auf ihren bisherigen Pfarrstellen – unter anderem in Wattenscheid-Höntrop, Herscheid, Hagen und Selm – hat Katrin Hirschberg-Sonnemann ganz unterschiedliche Lebensrealitäten und Mentalitäten kennengelernt. Von der Arbeit in ehemaligen Zechensiedlungen wie Selm-Beifang oder Wattenscheid über Stadtteile mit besonderen sozialen Herausforderungen bis hin zu ländlich geprägten Gemeinden: Überall stand für sie der persönliche Kontakt im Vordergrund.

„Selbst wenn es keine offensichtlichen Schwierigkeiten gibt wie in einem sozialen Brennpunkt, heißt das nicht, dass es gar keine Schwierigkeiten gibt. Die Grundfragen des Lebens finden sich in jeder Stadt.“

Ihre eigene Grundhaltung beschreibt sie prägnant als „vorsichtig offen“, eine Haltung, die ehrliches Interesse am Gegenüber mit Behutsamkeit verbindet. Dabei kann sie sich auf ein fachlich-theologisches Fundament stützen, denn sie studierte Theologie in Wuppertal, Heidelberg und Bochum.

Warum Kooperationsraum? Teamarbeit statt Einzelkämpfertum

Die Entscheidung, sich auf die Stelle im Kooperationsraum 3 zu bewerben, traf Katrin Hirschberg-Sonnemann sehr bewusst. In den letzten Jahren habe der Verwaltungsaufwand für einzelne Pfarrerinnen und Pfarrer stark zugenommen. „Viel Verwaltungsarbeit ist nicht das, was unseren Beruf im Kern ausmachen sollte“, betont sie.

Der Kooperationsraum bietet die Chance, aus der Rolle der Einzelkämpferin herauszutreten und in einem größeren, arbeitsteiligen Team zu wirken. So bleibt wieder mehr Zeit für das, was ihr besonders am Herzen liegt: die Seelsorge im persönlichen Gespräch, die verlässliche Beziehungs- und Kontaktpflege sowie die Arbeit mit jungen Menschen. Dabei bringt die Arbeit in einer größeren Region auch eine neue Flexibilität mit sich: Angebote sollen dorthin kommen, wo die Menschen sind, ohne an starre Ortsgrenzen gebunden zu sein.

Seelsorge und Religionspädagogik als Herzensanliegen

In Krisensituationen und an den Wendepunkten des Lebens sieht Katrin Hirschberg-Sonnemann ihre primäre Aufgabe darin, Räume für die großen Sinnfragen zu öffnen. „In unserem Beruf geht es oft um Leben und Sterben. Die Menschen erwarten in schweren Momenten meist keine fertigen Patentlösungen, sondern jemanden, der zuhört, ansprechbar ist und aushält.“ Dabei ist sie froh um die fachliche Kompetenz der diakonischen Dienste in den Kirchenkreisen zu wissen.

Neben der Seelsorge ist die Religionspädagogik ihr zweites zentrales Standbein. Wie lebendig und verbindend dieser Unterricht sein kann, veranschaulicht sie mit einer eindrücklichen Begebenheit aus einer 6. Klasse an einem Hagener Innenstadtgymnasium: In einer bunt gemischten Klasse, in der ein überwiegender Anteil der Kinder muslimischen Glaubens war und die übrigen orthodox, evangelisch, katholisch oder konfessionslos, berichteten die Schülerinnen und Schüler aus ihrer jeweiligen Lebenswelt. Nach dem Anschlag auf die Hagener Synagoge meldete sich ein besonders engagierter muslimischer Schüler im Religionsunterricht zu Wort und sagte aus tiefster Überzeugung: „Das ist nicht richtig. Man soll andere Religionen achten!“ Ein solch respektvoller Dialog, echtes Zuhören und das gegenseitige Verstehen sind für Katrin Hirschberg-Sonnemann fundamentale Werte, die sie auch in der Gemeindearbeit vorleben möchte.

Veränderung mit Augenmaß & Ausblick auf neue Formate

Den anstehenden Veränderungen im Kooperationsraum blickt sie mit Gelassenheit und Gestaltungswillen entgegen. Wichtig ist ihr dabei eine „Veränderung mit Augenmaß“: Neues dürfe nicht im Stillen am grünen Tisch entschieden werden, sondern müsse im gemeinsamen Erleben wachsen. „Man muss den Menschen zeigen, was das neue Gemeinsame konkret und spürbar bedeutet.“

Auf ein Projekt, gleichsam ein Versprechen, welches sie bei ihrem Bewerbungsgottesdienst gegeben hat, freut sie sich bereits jetzt besonders: ein fröhliches, verbindendes Gemeindefest. Auch könnte sie sich vorstellen, ein an alter Wirkungsstätte bereits existierendes Veranstaltungsformat „Abendsegen“ zu etablieren. Ein samstagabendliches Treffen, das Raum bietet für ein stimmungsvolles Wechselspiel aus Texten, Stille und Musik.

Wir heißen Pfarrerin Katrin Hirschberg-Sonnemann im Kooperationsraum 3 herzlich willkommen und freuen uns auf die gemeinsame Zeit, gute Begegnungen und segensreiches Wirken!

Text: Norbert Bangert, Mirjam-Gemeinde

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